Beelitz wird zum Freiluft-Atelier

Am kommenden Wochenende wird Beelitz wieder zum größten Freiluft-Atelier Brandenburgs. Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker werden am Samstag und Sonntag am Nieplitzufer ihre Werke ausstellen und sich bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen. Bis jetzt haben sich über 80 Teilnehmer zum Kunst- und Handwerkermarkt angemeldet. Damit peilt die Spargelstadt nach dem Ende der erfolgreichen Beelitzer Festspiele in dieser Woche gleich den nächsten kulturellen Höhepunkt an. Für eine inhaltliche Verbindung der beiden Ereignisse wird übrigens die Kulisse des „Weissen Rössls“ sorgen, die noch ein paar Tage länger stehen bleibt und in das Marktgeschehen integriert werden soll.

 

Der Kunst- und Handwerkermarkt findet zum zweiten Mal statt. Bereits im vergangenen Jahr hatten professionelle und Hobbykünstler aus ganz Brandenburg und den benachbarten Bundesländern die Gelegenheit genutzt, ihre Werke in Beelitz auszustellen. In diesem Jahr kommen die Teilnehmer aus Berlin, Sachsen und sogar Hamburg angereist, mit dabei sind neben bildenden Künstlern auch Handweber, Kupferschmiede, Zinngießer, Keramiker, Filzer und Schweißer. Viele Akteure kommen aber auch aus der Region.

 

Dazu gehört auch Christine Gröling: Die in Bielefeld geborene Malerin wohnt und arbeitet in Fichtenwalde und ist Vorsitzende des Beelitzer Vereins KunstWERK e.V. Eine Kunst- und Kulturszene, sagt sie, würde sich in Beelitz zunehmend etablieren. „Der Kunst- und Handwerkermarkt hilft dabei, denn es ist ungeheuer motivierend, wenn man seine Arbeiten ausstellen kann.“ Gröling, die an der Berliner Hochschule der Künste studiert hat und heute hauptberuflich als Lehrerin arbeitet, hat einen unmittelbaren Draht zu den Kulturschaffenden in der Region. Im Beelitzer Stadtgebiet gehört sie regelmäßig zu den Teilnehmern der Kunstmeile beim Fichtenwalder Sommerfest und organisiert mit dem KunstWERK e.V. Ausstellungen im Tiedemann-Saal sowie Aktionen mit Beelitzer Schülern.

 

Der Kunst- und Handwerkermarkt ist eines von vielen Rädchen im Gefüge des Beelitzer Kulturgeschehens geworden. Nach der Premiere im vergangenen Jahr hatten sowohl die Gäste als auch die Künstler geschwärmt – über die Vielfalt der ausgestellten Werke und das traumhafte Ambiente. Oben blauer Himmel, unten jede Menge Kreativität auf dem satten Grün der Nieplitzwiesen – und das alles umrahmt von klassischer Musik. Dazu gab und gibt es Mitmachaktionen für große und kleine Besucher.

 

„Die Atmosphäre war einfach toll“, erinnert sich auch Christine Gröling. Sie wird in diesem Jahr brandneue Werke ausstellen, die sie mit der recht unkonventionellen Technik des Spachtelns geschaffen hat. Dabei werden meistens mehrere Schichten Farbe übereinander aufgetragen – wobei sich oft überraschende Effekte ergeben. „Ich wollte weg vom detaillierten Darstellen, es soll immer etwas Platz für die eigene Vorstellung bleiben“, so ihre Auffassung von Kunst. Die Ergebnisse sind romantische Bilder von der Insel Hiddensee, von Moor- oder Herbstlandschaften - in kräftigen Farben, die den Betrachter zwangsläufig fröhlich stimmen. Eine weitere Errungenschaft sind Christine Grölings Drucke, die sie aus Nagellack gefertigt hat – bunte Kleinodien, die die Fantasie beflügeln. Der Hintergrund könnte indes profaner kaum sein: „Ich habe gerade Urlaub in den USA gemacht“, erläutert sie, „und dort kommt man nur sehr schwer an Künstlerbedarf heran. Was es da aber mehr als reichlich gibt ist Nagellack.“

 

Es ist ein bisschen wie mit dem Beelitzer Kunst- und Handwerkermarkt: Der Bedarf ist da. Und wenn er nicht gleich gedeckt wird, sucht sich die Kunst einen anderen Weg.