Schmuck aus der Natur gemacht

Reinhard Hähnel auf seinem Hof in Rieben mit einem Anhänger aus eigener Produktion. Foto: Lähns
Reinhard Hähnel auf seinem Hof in Rieben mit einem Anhänger aus eigener Produktion. Foto: Lähns

Der Riebener Reinhard Hähnel fertigt aus Holz individuelle Schmuckstücke an. Beim Beelitzer Kunst- und Handwerkermarkt am letzten Juli-Wochenende präsentiert er seine Erzeugnisse

 

Ein schmuckes Gehöft am Rande von Rieben: Der Wald liegt nebenan, der Kirchturm ist fast in Sichtweite. Wer hier vorbei kommt, rechnet damit, dass hinter dem Tor gleich ein Trecker losbullert, dass Hühner gackern und vielleicht sogar ein paar Rinder hinter der Scheune rufen. Aber weit gefehlt: In der ländlichen Idylle bleibt es ruhig – denn auf dem Hof entstehen kleine Kunstwerke aus Holz: Ringe, Ohrringe, Anhänger, Skulpturen.

 

Reinhard Hähnel hat sich in einem der Nebengelasse des Hofes, den er vor knapp zehn Jahren übernommen hat, seine Werkstatt eingerichtet. Hier, an den Werkbänken, schnitzt, schleift, leimt, lackiert und feilt der 73-Jährige und lässt aus Holz Schmuck entstehen. Zum Beelitzer Kunst- und Handwerkermarkt am kommenden Wochenende wird er seine handgefertigten Erzeugnisse präsentieren. Zwei Tage lang wird die Festwiese an der Nieplitz mit über 60 Ausstellern und Akteuren wieder zum größten Freiluft-Atelier in der Region. Es ist die mittlerweile 7. Auflage des sommerlichen Marktes, der sich als Angebt für Kunstliebhaber, Ausflügler und Familien versteht. Und als Podium für Maler, Bildhauer, Glaskünstler, Schmuckgestalter und viele andere.

 

Der Riebener Hähnel liebt es, auf solchen Märkten mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. „Es geht nicht in erster Linie darum, etwas zu verkaufen“, sagt er. Die interessierten Fragen, wie so etwas entsteht und wo es herkommt, das reize ihn. Bereits im vergangenen Jahr war er auf dem Beelitzer Kunstmarkt dabei gewesen, auch auf dem Adventsmarkt und dem Zapfenmarkt in Fichtenwalde. Holz zu bearbeiten, zu schnitzen und zu drechseln, sei eigentlich schon seit seiner Kindheit eine Passion gewesen.

 

Beruflich hat er nur indirekt mit Holz zu tun gehabt: Hähnel hatte im Harz, seiner Heimatregion, als Fachbauleiter gearbeitet. Mitunter auch ein kreativer Job, aber bei weitem nicht so filigran. Vor einigen Jahren ist er mit seiner Frau ins Potsdamer Umland gezogen – in die Nähe der Tochter und ihrer Familie. Und in die Idylle der Spargelstadt. Als Rentner hat er sich wieder verstärkt der Holzbearbeitung widmen können. Zuerst für die Familie: „Meine Tochter hat mir mal einen Weinstock dagelassen, zum Verbrennen. Ich habe ihr einen Anhänger daraus gemacht – den trägt sie nun schon seit einigen Jahren.“

 

Die Arbeit hat immer weitere Kreise gezogen, sodass Hähnel schließlich auch auf Märkten gelandet ist, um seine Waren anzubieten. „Jedes Stück ist ein Unikat, da auch jedes Stück Holz anders ist“, erzählt er. Und manches hat auch eine Geschichte. Viele bringen ihm Holzreste vorbei – oder Fundstücke. „Ein Baum wird für meine Arbeit nicht gefällt“, unterstreicht der Künstler. Seit 40 Jahren hütet er zum Beispiel ein Stück Rotzedernholz, das von einem Baumschnitt im Park seines früheren Wohnortes stammt. Äußerlich nichts Besonderes, aber die Maserung auf der Innenseite bietet jede Menge Ansätze für den Schmuckgestalter. Was er daraus machen wird, weiß er noch nicht genau: Die Eingebung ist manchmal – wie das Holz selbst – eine Angelegenheit, die reifen muss.

 

Im Nebenraum hat Reinhard Hähnel ein kleines Sortiment in Schmuckkästen zusammengestellt: Ohrringe, Anhänger, zum Teil Auftragsarbeiten, zum Teil Produktionen aus eigenen Ideen heraus. Auch Ringe sind darunter. Je nach Beschaffenheit und Herstellungsaufwand kosten die Stücke von acht bis 50 Euro und zum Teil aufwärts. Alle sind in Naturfarben belassen, manche bestehen aus mehreren Schichten, andere wiederum werden durch Maserung und kleine Äste zu etwas Besonderem. Darunter sind heimische Holzarten, aber auch afrikanische wie Paduk. In einer Ecke der Werkstatt steht ein junger Eichenstamm, der kurz über dem Stumpf zersplittert ist, weil er dort vom Blitz getroffen wurde. „Daraus mache ich vielleicht mal eine Stehlampe“, sinniert er.

 

Die Ideen werden Reinhard Hähnel jedenfalls nicht so schnell ausgehen. Ebenso wie das Material. Denn das findet er notfalls direkt gegenüber seines Hofes – oder überall im Ort, wenn mal wieder jemand etwas übrig hat.

 

Der Beelitzer Kunst und Handwerkermarkt auf der Festwiese am Steinhorst hat am 28. Juli von 12 bis 19 Uhr und am 29. Juli von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Akteure und Infos auf www.beelitzer-kunstmarkt.de